Was ist der AVGS?
Der AVGS, ausgeschrieben Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, ist ein Förderinstrument der Agentur für Arbeit und der Jobcenter. Er richtet sich an Menschen, die wieder in Arbeit kommen, sich beruflich neu orientieren oder eine Selbstständigkeit aufbauen möchten. Mit dem Gutschein übernimmt die öffentliche Hand die Kosten für eine sogenannte Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Der Teilnehmer sucht sich einen zugelassenen Anbieter aus und löst den Gutschein dort ein.
Rechtlich ist der AVGS in Paragraf 45 des Dritten Sozialgesetzbuchs verankert. Für dich als Anbieter ist entscheidend: Damit ein Teilnehmer seinen AVGS bei dir einlösen kann, brauchst du eine AZAV-Zulassung und eine passend zugelassene Maßnahme. Der Gutschein ist also kein Freifahrtschein, sondern setzt auf einer geprüften Trägerzulassung auf. Anders als beim klassischen Bildungsgutschein liegt der Fokus weniger auf einer kompletten Ausbildung, sondern auf kürzeren, aktivierenden Angeboten wie Coaching, Orientierung oder berufspraktischer Erprobung. Der entscheidende Unterschied liegt im Zweck: Während der Bildungsgutschein auf eine nachhaltige Qualifizierung zielt, soll der AVGS Menschen aktivieren, motivieren und Schritt für Schritt an den Arbeitsmarkt heranführen.
Der AVGS in der Beauty-Branche
Gerade für Kosmetikschulen ist der AVGS ein spannendes Instrument, weil er Türen öffnet, die der Bildungsgutschein allein nicht öffnet. Viele Menschen interessieren sich für einen Beruf in der Beauty-Branche, sind sich aber noch unsicher, ob Kosmetik, Wimpernverlängerung oder Nageldesign wirklich zu ihnen passt. Genau hier setzt der AVGS an. Du kannst aktivierende Angebote schaffen, die Teilnehmer an das Berufsfeld heranführen, ihnen erste praktische Erfahrungen vermitteln und sie bei der Entscheidung für eine spätere Ausbildung oder Selbstständigkeit begleiten.
Typische AVGS-fähige Beauty-Angebote sind Orientierungs- und Schnupperkurse, in denen Grundlagen der Hautpflege, der Hygiene oder einfache Behandlungstechniken vermittelt werden. Auch Bewerbungscoachings für angehende Kosmetikerinnen oder Existenzgründungsbegleitungen für künftige Beauty-Selbstständige lassen sich über den Gutschein abbilden. Der Unterschied zum Bildungsgutschein ist wichtig: Der Bildungsgutschein finanziert in der Regel umfangreiche Weiterbildungen und Umschulungen, etwa eine komplette Qualifizierung zur Kosmetikerin. Der AVGS dagegen finanziert kürzere, aktivierende Bausteine, die nicht zwingend zu einem Berufsabschluss führen müssen.
Für deine Schule bedeutet das eine zusätzliche Einnahmequelle und eine größere Zielgruppe. Du erreichst Menschen, die von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter aktiviert werden sollen, aber noch keinen Bildungsgutschein in der Hand halten. Geschickt kombiniert, kann ein AVGS-Angebot sogar als Einstieg dienen, an den sich später eine bildungsgutscheinfinanzierte Umschulung anschließt. So baust du eine durchgängige Förderkette auf, die deine Auslastung stabilisiert und gleichzeitig echten Mehrwert für die Teilnehmer schafft. In der Praxis hat sich gezeigt, dass viele Teilnehmer nach einem aktivierenden Schnupperkurs erst richtig Feuer fangen und sich anschließend für eine längere Weiterbildung entscheiden.
Was Kosmetikschulen konkret tun müssen
Damit du AVGS-Teilnehmer aufnehmen kannst, sind drei Bausteine nötig. Erstens brauchst du eine gültige AZAV-Trägerzulassung. Sie ist die Grundlage für jede Förderung und wird von einer fachkundigen Stelle vergeben. Zweitens benötigst du eine zugelassene Maßnahme, die zum richtigen Maßnahmetyp passt. Für aktivierende Angebote ist das nicht der Bereich der beruflichen Weiterbildung, sondern der Bereich der Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Achte deshalb schon bei der Maßnahmenkonzeption darauf, dass dein Angebot inhaltlich, zeitlich und kalkulatorisch zu den Anforderungen passt.
Drittens solltest du den Kontakt zur Agentur für Arbeit und zum Jobcenter pflegen, denn dort werden die Gutscheine ausgestellt. Wenn die Vermittler deine Schule und dein Angebot kennen, empfehlen sie dich eher weiter. Pflege diese Beziehungen aktiv, stelle dein Konzept persönlich vor und zeige, welchen Mehrwert deine Beauty-Maßnahmen für die Teilnehmer stiften. Wichtig ist außerdem eine saubere Dokumentation: Teilnehmerlisten, Anwesenheiten und Ergebnisberichte gehören zum Standard und werden im Rahmen deiner Zulassung geprüft. Wer hier von Anfang an strukturiert arbeitet, hat es bei späteren Überwachungsaudits deutlich leichter und vermeidet Rückfragen der fachkundigen Stelle. Unterstützung bei der passgenauen Konzeption und Zulassung deiner AVGS-Maßnahmen findest du zum Beispiel bei azav-experten.de.
Fazit
Der AVGS ist für Kosmetikschulen eine wertvolle Ergänzung zum Bildungsgutschein. Er erlaubt dir, kürzere, aktivierende Beauty-Angebote zu fördern und damit Teilnehmer zu erreichen, die noch am Anfang ihrer beruflichen Orientierung stehen. Voraussetzung bleibt eine gültige AZAV-Trägerzulassung samt passend zugelassener Maßnahme. Wer beide Förderwege kombiniert, baut eine durchgängige Kette von der ersten Orientierung bis zur vollständigen Qualifizierung auf. So sicherst du dir mehr Reichweite, eine stabilere Auslastung und echten Mehrwert für deine künftigen Beauty-Profis. Wer den AVGS strategisch nutzt, verschafft seiner Kosmetikschule einen klaren Vorsprung im Wettbewerb.